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Sportbischof Peters über das verbindende Element im Fußball

"Völkerverständigung ist längst auf dem Weg"

Bald ist Anstoß der Fußball-Weltmeisterschaft. Fußball trage zur Völkerverständigung bei, erklärt Sportbischof Jörg Michael Peters im Interview. Denn Spieler aus der ganzen Welt träfen auf dem Platz aufeinander.

Stefan Weinert (Leiter der Privatfunkredaktion im Bistum Trier): Ist Russland überhaupt ein geeigneter Gastgeber? Oder muss man Politik und Sport sowieso voneinander trennen?

Weihbischof Jörg Michael Peters (Sportbischof der Deutschen Bischofskonferenz): Die Würfel sind gefallen, wie auch immer Austragungsländer heute ausgelobt werden. Wir wissen, dass das nicht ganz leicht ist. Russland ist gewählt worden. Man hatte damals noch nicht unbedingt die Ergebnisse vorliegen, die von einem Staatsdoping und so weiter gesprochen haben. Ich würde nicht gerne das ein und das andere vermischen, aber es lässt sich auch nicht auseinanderhalten. Denn Sport hat immer – vor allem, wenn er auf internationaler Ebene ausgetragen wird – eine Wirkung in das Austragungsland hinein und aus diesem Land in die Welt hinein. Von daher gilt es da, mit offenen Augen, wach und wo es nötig ist, kritisch Bericht zu erstatten.

Weinert: Das heißt in erster Linie auch eine Aufgabe für die Medien?

Peters: Ich denke, Politik macht sich den Sport gelegentlich zunutze. Das war immer so. Dort, wo viele Augenpaare auf ein Ereignis gerichtet sind, hat das auch immer so etwas wie eine Auswirkung auf die Stimmung. Denken wir an das Sommermärchen oder an die Olympiade, wo sich Menschen im Sportereignis noch einmal an Sammelplätzen einfinden: Public-Viewing und so weiter. Die Politik würde sich etwas vergeben, wenn sie sich das nicht zu Nutzen machen würde. Hier sind Berichterstatter wie politische Vertreterinnen und Vertreter durchaus gefordert, Maß zu halten.

Weinert: Russland wird ja oft kritisiert mit dem Stichwort "Staats-Doping". Zuletzt wurde auch über Verdachtsmomente gegen Spieler der russischen Fußball-Nationalmannschaft gerichtet. Die FIFA sagt: "Da gibt es keine Beweise." Liegt ein Doping-Schatten über der WM?

Peters: Der Verdacht wird bleiben, weil die Offenbarungen nach den letzten Groß- und Sportereignissen in Russland haben aufhorchen lassen. Mich wundert es immer wieder, dass im Bereich des Fußballs  – gerade eines Sports, in dem sich so viele Menschen betätigen – das Thema Doping bislang noch ausgeblendet ist oder nicht so im Blick ist wie etwa in der Leichtathletik.

Weinert: Trotz dieser teilweise schwierigen Vorzeichen. Sie persönlich, freuen Sie sich auf die WM?

Peters: Natürlich. Ein Teil meines Urlaubs wird in die Zeit hineinfallen. Ich werde mir aber den ein oder anderen Zeitraum freihalten. Ich weiß noch nicht, ob mein Dienstplan es hergibt, in der Vorrunde schon alle Spiele mit deutscher Beteiligung oder andere interessante Spiele zu sehen. Aber ich freue mich darauf, zumindest die Zusammenfassungen am Abend eines Spieltages zu gucken.

Weinert: Was macht den Flair dieses Wettbewerbs aus?

Peters: Spannung. Wie und in welcher Tagesverfassung sich die Spitzenteams begegnen. Die Sieger dieser Runde sind ja nicht ausgemacht. Ich freue mich vor allem auf den Wettkampf. Auf viele Spiele auf Augenhöhe, die vielleicht sogar mit Überraschungsmomenten in den Bann ziehen.

Weinert: Es heißt ja auch immer, Sport habe eine völkerverbindende Wirkung. Gilt das auch für ein Großereignis wie die Fußball-WM mit teilweise hochbezahlten Profis?

Peters: Wenn wir auf die Erste und Zweite Liga in unserem Land schauen – da geschieht das Völkerverbindende schon wie selbstverständlich, weil wir ja auch Spitzenspieler aus der halben Welt in unseren Clubs haben. Und weil viele unserer Spitzenspieler, die sich in einer Nationalmannschaft wieder zusammenfinden werden, in Top-Mannschaften mit dabei sind.

Ich denke, da ist das Völkerverständigende schon längst auf dem Weg. Und klar: Die WM ist noch mal ein wunderbarer Moment, um Szenen zwischen Clubmitgliedern zu sehen, die in gegnerischen Nationalmannschaften aufeinandertreffen: Gesten in einer Pause oder bei einer Spielunterbrechung.

Weinert: Dann kommen wir jetzt zu den sportlichen "Gretchenfragen": Wer wird Weltmeister?

Peters: Ich habe mich schon häufiger geäußert, auch im Blick auf die WM: Unserer Mannschaft traue ich alles zu. Aber dieses "alles" beinhaltet auch alles. Ich freue mich auf einen hoffentlich guten Start; auf hoffentlich hochmotivierte, auch jüngere Spieler, die auflaufen. Ich traue unserem Team wirklich alles zu, aber sie werden anderen Spitzenmannschaften begegnen. Das macht den Reiz dieses Spieles aus.

Weinert: Sie wollen sich also nicht so richtig festlegen auf einen Sieger?

Peters: Es bleibt ein Spiel und die Ausgänge der letzten Runden haben uns gezeigt, dass der Fußball noch immer für Überraschungen gut ist. Denken wir an die Champions League. Denken wir an das Pokalfinale der Männer. Denken wir an Freundschaftsspiele wie zuletzt in Klagenfurt. Das macht den Sport, auch den Fußball aus.

Das Gespräch führte Stefan Weinert.

 (DR)
 
QUELLE: Domradio (mit freundlicher Genehmigung)